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Kleiner Nemrut-Dagi

Die teilweise schmale Straße zum Nemrut-Dagi haben wir zunächst verpasst, der Abzweig liegt unmittelbar an der Straßenkreuzung Tatvan Richtung Bitlis. Allerdings war das Schild aus Tatvan kommend nicht zu sehen. Bald holperten wir über die mit vielen Schlaglöchern versehende schmale asphaltierte Straße aufwärts. Die letzten Kilometer waren Piste, aber das konnte uns nicht mehr erschüttern. Nach kurzer Unsicherheit weiter zufahren, trafen wir einen Wanderer aus Neuseeland, der uns versicherte, es wäre kein Problem an den 2.935 Meter hohen Kraterrand zu fahren.

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Der Nemrut-Dagi Vulkan hat den gleichen Namen, wie der berühmteste Berg der Türkei, er wird daher auch der „kleine Nemruth-Dagi“ genannt. Am Kraterrand des Vulkankegels ist ein riesiges Tal von rund 8 Kilometer Durchmesser mit einem bis zu 150 Meter tiefen Süßwassersee zu sehen. Trotz des wolkigen und diesigen Wetters war es beeindruckend an dem Kraterrand zu stehen und sich vorzustellen, wie der Vulkan in seiner aktiven Zeit die Landschaft veränderte.

Drei nette Türken mit einem PKW versuchten radebrechend eine Konversation, lachend waren wir damit gemeinsam bis zu einem gewissen Grad erfolgreich. Dem erbetenen gemeinsamen „Familienfoto“ stellten wir uns gerne. 

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Blick von “unserer” Terrasse auf den Van-See.

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Zurück auf halber Höhe fanden wir eine Fläche zum Übernachten, zunächst an einem noch nicht fertig gestellten Hotel mit schöner Aussicht auf den Van-See. Kurz nach unserer Ankunft tauchten zwei Männer mit einem Trecker auf. Leider schickte man uns von „unserer Hotelterrasse“ weg, da halfen auch die angebotenen Zigaretten nicht. Aber die etwas schiefe Parkfläche, die wir nutzen konnten, war nur 100 Meter entfernt. 

Bitlis - Diyarbakir

Die Nacht war ruhig und kühl. Heute morgen trennten sich vorübergehend die Wege mit Helga und Kalle, da stand ein „Ich will nach ...“ gegen ein „Ich muss nicht alles sehen.“ des Autors im Raum. Viele Kilometer zu fressen standen zur Zeit nicht mehr hoch im Kurs, die Tour ein wenig zu “entschleunigen” war vorrangig. So bummelten wir nach einem Tankstopp, der den Diesel günstig für in den Tank laufen ließ, auf einer landschaftlich schönen Strecke nach Bitlis. Hinter der Tankstelle ein Lager von Nomaden, die im Osten der Türkei immer wieder zu beobachten waren.

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Der moderne Vorort von Bitlis zog sich hin, dann waren wir plötzlich mitten drin im Gewühl der Altstadtgassen. Puh, war das eng, Menschen überall, Geschäfte und Stände, wohin nur? Aber dann nach Hinweisen eines Einheimischen befuhren wir bald die breitere Hauptstraße der Altstadt. Am Ortsrand fanden wir einen prima Parkplatz auf der Brücke des Flusses.

Alles gut? Leider nicht, beim Rangieren geriet ein dicker Stein zwischen die Zwillingsreifen am rechten Hinterrad. Der saß sehr fest, wie die ersten zaghaften Versuche, den Stein zu lösen, ergaben. Schon standen bis zu fünf Männer am Mobil, zwei von ihnen bemühten sich ohne Rücksicht auf ihre Kleidung den Stein mit einer Eisenstange zu lösen, ebenfalls vergeblich. Mit Zeichensprache machte ich klar, es muss das Rad gelöst werden, Zustimmung. Also den Wagenheber angesetzt, der mir aus der Hand genommen wurde. Ich durfte nur zusehen, bzw. Handlanger spielen. Die Bolzen gelockert, endlich, der Stein war gelöst. Selbst das Einpacken des Werkzeugs wollten die freundlichen Helfer übernehmen, gemeinsam räumten wir alles weg. Ehe wir eingreifen konnten, griff einer der Helfer unseren bereitliegenden Müll in der Eingangsstufe und hat den Beutel zu unserem Entsetzen in den Fluss geworfen. Aber das ist hier ganz normal, entsprechend sah das Flussbett aus, wenn auch für uns nicht nachvollziehbar. Zwei Schachteln Zigaretten und eine Flasche Wein wechselten den Besitzer. Die Flasche musste diskret in einen Plastikbeutel gepackt werden und wurde in den Hosenbund geschoben und die Jacke drüber, damit Allah es nicht sah. Wir bummelten nach der Aktion bei Temperaturen von über 30 Grad erleichtert durch die Stadt.

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Wo man hinschaute, Männer von jung bis alt. Entweder rauchend vor den Teestuben, oder vor den Geschäften sitzend, sie warteten auf Kundschaft. Auch vor einem Internet-Cafe saßen zwei ältere Männer und plauderten.

Frauen kamen hier so gut wie gar nicht vor, aber auf einem riesigen Werbeplakat für Schmuck strahlte eine Schönheit auf uns herunter. Ein merkwürdiger Widerspruch.

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Wir sahen die Restaurierungsarbeiten an der alten Moschee und an der Festungsmauer hoch über der Stadt. Alte osmanische Gebäude harten noch der Renovierung. Unser kleiner Hund löste mal wieder allerseits Heiterkeit aus, die Männer in den Teehäusern hatten Gesprächsstoff. Aber die Reaktionen waren immer freundlich.

Wir bummelten ein wenig durch einige Gassen und schauten dem bunten Treiben zu. Selbst ein Touristenbüro war zu sehen, da wir nicht hinein gingen, kam ein Mann heraus und drückte uns zwei Broschüren in englischer Sprache in die Hand. Diese Stadt wird sicherlich bald die Touristen häufiger anziehen. Am Mobil winkten uns die Helfer zu, wir sollten doch einen Tee mit ihnen trinken. Aber wir wollten weiter und lehnten dankend ab.

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Ein Restaurant mit “Alabalik” (Forellen) bot sich an. Militär war zu sehen, wie auch Baustellen.

Zunächst durchquerten wir eine interessante Bergwelt mit vielen unterschiedlichen Formationen. Unterwegs sahen wir zwei alte römische Steinbrücken, die noch bestens erhalten waren. Unter der Brücke pünktlich zum Ruf des Muezzin, ein junger Mann, der betete. Der andere hatte damit nichts am Hut.

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Auf einer „Giebelbrücke“ von 1147 wurden wir von dem Wächter angesprochen, der dort penibel jedes Stück Papier aufsammelte.

Der Blick von der Brücke offenbarte jedoch eine große Fläche mit Müll am Dorfrand.

Der Mann rief seinen vielleicht 10-jährigen Sohn heran, der auf englisch einen auswendig gelernten Text über die Brücke herunter rasselte. Wir lobten natürlich ausgiebig die „Leistung“, sehr zum Stolze des Vaters.

Obwohl es so aussieht, der junge Mann auf der Brüstung pinkelte nicht in den Fluß ...

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Weiter ging die Fahrt durch eine fruchtbare Ebene mit vielen abgeernteten Getreidefeldern, die zum Teil abgebrannt wurden, der Qualm zog durch die Landschaft. Später schwarzer Qualm, eine große brennende Müllkippe.

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Nur wenige kurze Baustellen beeinträchtigten diesmal die Fahrt. Die zerfallene Brücke aus der Römerzeit wird höchstwahrscheinlich nicht mehr zur Baustelle werden... Am späten Nachmittag trafen wir in Diyarbakir ein.

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