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Indien-Rajasthan Rundreise

28. Oktober bis zum 14. November 2011

Rajasthan (mehr Informationen auf Wikipedia) ist ein Bundesstaat in Nordindien. Uns erwartete eine von Tour Vital organisierte Rundreise durch eine vielfältige Natur und eine sehr unterschiedliche Kultur. Wir erhofften uns etwas von dem vergangenen märchenhaften Glanz der Maharadschas zu erleben, die prächtigen Monumente der Mogul-Zeit zu sehen, wie das weltberühmte Taj Mahal. Einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen in Indien erwarteten wir uns auch, Beate und Bernd Loewe.

Zunächst einige Informationen und persönliche Eindrücke.

Religionen

Nordindien war die Geburtsstätte der Weltreligionen, des Buddhismus und Hinduismus, des Jainismus und Sikhismus. Das geschah unter der Herrschaft der Mogulkaiser und Maharajas. Ein faszinierendes Geflecht einer kulturellen Vielfalt.

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Der Hinduismus hat neben dem Islam auch in der heutigen Zeit eine immense Bedeutung in der indischen Gesellschaft. Bestimmend in dieser Religion ist die Vorstellung von der Seelenwanderung, dem ewig andauernden Wechsel von Sterben und Wiedergeburt. Die eigenen Taten (Karma) bestimmen die Strafen in Form einer niedrigen, ein Leben ohne Rechtschaffenheit, oder in der hohen Stufe, ein Leben in Rechtschaffenheit (Dharma) im Falle der Wiedergeburt. Die Verehrung der Kühe im Hinduismus hat bizarre Auswüchse im Alltagsleben der Menschen. Die heiligen Kühe sind einfach überall zu sehen, sind oft ein Verkehrshindernis und werden nicht angefasst, geschweige denn verjagt. Die Kuhfladen auf den Straßen bedeuten eine ständige Gefahr dort rein zu treten. Für uns Europäer ist schwer zu verstehen, dass Kühe heilig und unantastbar sind.

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Verkehr

Schon der erste Tag brachte es an den Tag, hier fährt jeder nach seinen eigenen Regeln. Es gilt das Recht des Stärkeren, Rücksichtnahme ist eine Ausnahme, es wird gehupt und gedrängelt und jede Lücke nutzend quer über die meist ampellosen Kreuzungen gefahren. Irgendwie kommt man schon durch das Verkehrsgewühl. Schilder sieht man außerhalb der Städte noch seltener, aber die werden eh nicht beachtet. Gefährlich sind auf den Überlandstraßen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, von den Rikschas, den Treckern, den Tuk-Tuks, den langsamen Lkws, den schnelleren Pkws. Dazwischen trotten immer wieder die Kühe. Wenn sich eine noch so kleine Lücke zum Überholen bietet, dann wird fröhlich auf die Hupe gedrückt, nicht selten wird der Gegenverkehr abgedrängt. Unser Busfahrer beherrschte dieses Metier perfekt. In den quirligen Ortschaften fährt man ohne sich umzudrehen auch auf die Straße, wenn dichter Verkehr herrscht. 

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Aber es klappt scheinbar gut, wir haben zumindest auf unserer rund 3.200 Kilometer langen Tour nur zwei Unfälle gesehen. In Indien ist alles anders, das mit europäischen Maßstäben zu vergleichen, ist völlig unsinnig. Wir Europäer sehen hier das Chaos pur, für die Inder ist das alles völlig normal. Höchste Aufmerksamkeit ist als Fußgänger geboten, auch bei den seltenen Ampeln und Zebrastreifen. Vorsicht und gut aufpassen, denn das ist überlebenswichtig. Einen besonderen Staus haben die heiligen Kühe, die sitzen und laufen unbekümmert auf allen Straßen, als wären sie sich ihres Status bewußt, dass alle Verkehrsteilnehmer rechtzeitig ausweichen. 

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Bestrebungen der Regierung die Fahrradrikschas einzudämmen löste bei indischen Aktivisten und Stadtplanern Kopfschütteln aus. Sie wunderten sich, dass ein sicheres, emissionsfreies, Arbeitskräfte schaffendes und vor allen Dingen geräuschloses Verkehrsmittel plötzlich nicht mehr gefragt sein sollte. In Delhi hat die Bezirksverwaltung die Anzahl der Rikschas mal auf 99.000 beschränkt. Schätzungen gehen aber davon aus, das dort weit über 400.000 (!) nicht zugelassene Rikschas verkehren. Die meisten Rikschafahrer mieten für ca. 20 Rupien pro Tag das Gefährt. Dafür hält der Verleiher die Vehikel in Schuss und kümmert sich um die Lizenz. Manche vermuten hier eine gewisse Mafia, das wäre aber in der Regel nicht der Fall, so der Reiseleiter ....

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Busse sind oft auf den Straßen zu sehen, vom klapprigen alten Blechhaufen, bis zum modernen Luxusbus. Lastwagen sind “das” Transportmittel in Indien, von altersschwach bis modern rollen tagtäglich zigtausende Lkws über die Straßen. Die Fahrer fühlen sich stark und lassen das auch gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern spüren. „Blow Horn“ steht fast immer auf der Rückseite der oft bunt bemalten Tatra-Lastwagen, davon wird auch kräftig Gebrauch gemacht. Sehr oft werden auf den Ladeflächen Personen transportiert. 

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Gesellschaft und Leben

Die heutige Mittelschicht hat keine Illusionen. Sie akzeptieren sowohl die Quotenreglung (für die Unberührbaren) für die Benachteiligten wie den Hindonationalismus. Wohlstand hier und jetzt, heißt die Parole. Ihre Helden sind Cricketchampions und Bollywood-Stars. Die alte wertorientierte Mittelschicht hat ihre Seele ausgehaucht. Der idealisierte Sozialismus der jungen Jahre wurde durch einen aggressiven Kapitalismus abgelöst.“ Zitat aus dem interessanten Buch „Reise nach Indien“ (Unionsverlag).

Die armen Menschen werden mit gut 200 Millionen geschätzt, die auch uns Touristen stets präsent waren. Menschen schliefen in mit einigen Stöcken und alten Stoffen gefertigten Überdachungen, ganze Familien hausen in Zelten am Straßenrand. Der Gipfel war ein Mann, der in der nicht funktionierenden Kanalisation hauste, die wie in Indien oft üblich, nur mit Betonplatten abgedeckt war. Dann schiebt man sich eben so ein Betonteil zur Seite, das ist der Eingang und kriecht in eine Höhle von vielleicht einem knappen Meter Höhe.  

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Manchmal schwer zu ertragen, die Gegensätze zwischen Arm und Reich. Tradition und das Moderne prallen hart aufeinander. Die Infrastruktur - also ausgebaute Straßen und Häuser, Elektrizität, Kanalisation und öffentliche Toiletten - ist in Indien oft völlig unzureichend. 

Das größte Problem der indischen Gesellschaft ist die Korruption, von den Politikern bis in den untersten Ebenen der Verwaltung. Auch das heutige Indien wird von ein paar Dutzend käuflichen Politikern beherrscht. Selbst die verehrte Indria Gandhi war bekanntermaßen besonders korrupt, dennoch hat sie für das Land viel getan. Ohne Geld läuft in Indien nichts, oder man wartet zum Beispiel ewig bei gewissen Angelegenheiten der Behörden.

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Familie

Die Ehen werden auch heute nicht selten vom Vater arrangiert, insbesondere auf dem Land. Unterstützt von Verwandten und Bekannten sucht er den zukünftigen Ehepartner seines Sohnes oder seiner Tochter in einem anderen Dorf. Die jungen Leute sehen sich am Tage der Hochzeit oft zum ersten Mal. Die Ehe gilt als ein religiöser Akt, dessen Aufhebung für beide Seiten im gleichen Maße höchst unerwünscht ist. Familienplanung ist ein schwieriges Tabuthema, die staatliche Werbung über Verhütungsmittel hat keinen durchschlagenden Erfolg. Indien hat nach Afrika das größte Problem mit AIDS. Viele Familien mit mehreren Kindern sehen sich aus finanziellen Gründen nicht in der Lage allen ihren Kindern eine gute Ausbildung zu bieten. Nicht zuletzt deswegen sind auch heutzutage neugeborene Mädchen oft unerwünscht.  

Kasten

Formell wurde die Unberührbarkeit im Jahr 1950 aufgehoben, 1980 wurde eine Qoutenregelung eingeführt, die den Unberührbaren einen Anteil von Arbeitsplätzen von 30% zusicherte. Das führte sogar dazu, dass ein Staatspräsident aus dieser Kaste stammte. Dennoch sind die meisten in Armut lebenden Menschen aus den Kastenlosen oder niedrigsten Kasten

Reiseleiter - der erste Tag

Der Anfang 30-jährige indische Reiseleiter hatte am ersten Tag einen unglücklichen Einstand. Er kam akustisch nicht an, dadurch ergeben sich Nachfragen, die er recht unwirsch beantwortete, bis hin zu beleidigten Reaktionen. Im Umgangston war er wenig konziliant, das führte zu einer kurzen, aber heftigen Diskussion zwischen Reiseleiter und Autor. Auch innerhalb der Reisegruppe kam es zu deutlicher Kritik. Am Abend „rauchte der Autor eine Friedenspfeife“ mit dem Reiseleiter, in der Folgezeit klappte es im persönlichen Umgang ganz gut. 

Reiseleiter

Der Reiseleiter hatte ausgezeichnete Kenntnisse, alle Geschichtsdaten, Namen der Götter usw. und Namen der historischen Personen ratterte er aus dem Gedächtnis runter. Allerdings waren seine manchmal zu langen Vorträge im Bus nicht immer gut strukturiert, nicht selten sprang er von Thema zu Thema. Seine viel gebrauchte Endung eines Satzes war „und so weiter“. Oft zu viele Informationen, die die meisten Mitreisenden nicht verarbeiten konnten. Außerdem war er Meister des verschluckten Wortes, so wurden oft Informationen zum Tagesablauf missverstanden. Was er nicht ablegen konnte bei Nachfragen, „Ich habe doch erklärt, das...“ Das klang immer ein wenig vorwurfsvoll, damit sollte ein erfahrender Reiseleiter nach über 60 Touren besser umgehen können. Aber es wurden auch einige interessante Informationen über die Menschen in Indien und ihre Gewohnheiten erklärt.

Zwischendurch sang er immer wieder mal das Loblied auf die nicht aufzuhaltende indische Entwicklung, andererseits wurde er auch sehr persönlich und gab politische Statements ab. Irgendwie wurde man das Gefühl nicht los, dass Moslems bei ihm nicht so gut ankamen.

Auch viel positives ...

Die Reiseorganisation hatte der Reiseleiter bestens im Griff, die Besichtigungen kappten sehr gut. Die Koffer kamen immer sehr schnell nach der Ankunft im Hotel in die Zimmer. Insgesamt kamen die Reiseteilnehmer im Laufe der Reise mit der Art und Weise immer besser zurecht, zumal er sich immer wieder erkennbar bemühte und mit kleinen Besonderheiten versuchte, eine Zufriedenheit der Reiseteilnehmer herzustellen.

Hotels

Während der Rundreise wurden 10 Hotels besucht, Mittelklasse und 4-Sterne Hotels, oft alte Paläste, Schlösser oder Festungen, von gut bis hervorragend. Der Service war stets sehr gut. Die Verpflegung war abwechslungsreich, mal mehr, mal weniger Auswahl, aber immer schmackhaft und bekömmlich.

Die Zimmer waren stets sauber und mit Klimaanlagen ausgerüstet. Das einzige was unangenehm war, es gab an einigen Orten Zimmer mit deutlicher Geräuschbelästigung von außerhalb, am schlimmsten war das Hotel in Agra. 

Hier ein Beispiel:

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Der Bus, der Fahrer und der Boy

Der neuwertige Tatra-Bus ohne Bordtoilette war für die indischen Straßenverhältnisse ausreichend komfortabel. Allerdings ließ sich die Klimaanlage nicht regulieren, das hatte bei fast allen Mitreisenden im Laufe der Tour heftige Erkältungskrankheiten mit Schnupfen und Husten ausgelöst. Der Reiseleiter hatte es nicht in den Griff bekommen, die Klimaanlage zwischendurch regelmäßig auszustellen und zeitweise nur die Lüftung laufen zu lassen. Das größte Manko war, dass der Bus nur über einen Ausgang vorne durch die Fahrerkabine verfügte. Aus Sicherheitsaspekten fehlte ein zweiter Ausgang, aber auch gekennzeichnete Notausstiege und entsprechende Nothämmer waren nicht vorhanden. 

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Obwohl in Rajasthan viele Straßen bereits gut ausgebaut waren, gab es immer wieder Strecken, auf denen das nicht der Fall war. Daher musste man davon ausgehen, das im Schnitt der Reisebus nur ca. 50 km pro Stunde zurücklegte. Der Busfahrer fuhr sehr schnell und aggressiv, überholte bei Gegenverkehr, drängte auch hupend entgegenkommende Fahrzeuge ab. Das machte manchmal Angst. Nicht immer wäre das erforderlich gewesen, um einige Minuten heraus zu holen. Aber es ist nichts passiert und scheinbar in Indien völlig normal.

Der mitreisende Mann, der “Boy”, war lieb und nett, er half freundlich und versorgte die Fahrgäste stets mit Mineralwasser und anderen Getränken. Ein angenehmer Service, der zum Ende der Reise mit dem obligatorischen Trinkgeld honoriert wurde.

Soweit einige persönliche Eindrücke, die natürlich nicht der gesamten indischen Situation gerecht werden. Auf den nächsten Seiten finden Sie den eigentlichen Reisebericht.

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